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Fanbericht von Thalain

Rulantica Preopening: Ein Testprotokoll

Datum: 22.11.2019 - 22.11.2019
Ersteller: Thalain
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Ich hatte das Glück, über EP Fans am Rulantica Testbetrieb 22. November teilnehmen zu können, und möchte daher auch mit einem etwas ausführlicheren Testprotokoll den Stand der Dinge wiedergeben. Allem vorweg - auch wenn ich in meinem Bericht einige Dinge negativ anmerke, bin ich im Ganzen sehr beeindruckt sowohl vom Gesamtkonzept der Wasserwelt als auch vom Stand der Entwicklung. Die Abläufe waren schon sehr professionell und fließend, das haben andere Parks (die hier nicht genannt werden sollen) schon nach mehreren Monaten offiziellen Betriebs deutlich schlechter hinbekommen. Wenn ich hier meckere, dann doch auf schon sehr hohem Niveau - und die Anmerkungen sind hoffentlich auch im Interesse des Parks, dem ich diesen Bericht auch zukommen lasse.

Nach pünktlicher Anreise ging der Check-In auch mit nur einer Person für die Abfertigung und Kontrolle der EP-Fans recht flott und wir konnten auch schon vor 10 Uhr in die Umkleiden und Duschen. Erst am Ende des Duschbereichs wurde EP-typisch direkt vor den Attraktionen bis zum offiziellen Öffnungszeitpunkt gestoppt - das habe ich von einem Wasserpark so noch nicht gesehen. Super!

Nach Öffnung habe ich mich als erstes mal in Richtung der Rutschentürme aufgemacht, um noch ohne Wartezeiten mal alles auszuprobieren. Hier hat Rulantica eine interessante Architektur gewählt, bei der die Treppen (alle Großrutschen haben ca. 20 Meter = 100 Stufen) gleichzeitig als Wartebereiche dienen, was vor allem in Vinterhal zu sehr schönen, fast Escher-mäßigen Treppenkreuzungen führt. Vinterhal ist auch durch diese Kreuzungen und die Beleuchtung sehr stimmungsvoll - das kann ich leider von der anderen Seite in Rangakor (eine namentlich interessante Anspielung auf Ragnarök) noch nicht behaupten. Hier war das eine oder andere noch nicht fertig (so war an einem Fenster statt einer Fensterbank noch roher, unebener Beton) und etwas mehr Thematisierung täte gut, auch gerade im Startbereich der Freifallrutschen, die in ihrer unvermeidbar sehr technischen Anmutung nicht so ganz ins Ambiente von Rulantica passen. Mit ein wenig Wandgestaltung wäre hier noch einiges zu holen.

Im Fahrerlebnis sind die Rutschen durchweg EP-typisch etwas zahmer als vergleichbare Modelle in anderen Parks wie Galaxy Erding oder amerikanischen Wasserparks, aber machen allesamt Spaß. Die 13 für Erwachsene nutzbaren Rutschen (4 der 17 sind reine Kinderrutschen im Trolldal) sind allesamt spaßig, selbst die einfachen Minirutschen am Skip Strand. Die Organisation war auch dort, wo an die Zahl und das Gewicht der Mitfahrer spezielle Anforderungen gestellt wurden (insbesondere die Steilwand Vinter Rytt ist mit "2 oder 4 Personen" plus einem Maximalgewicht doch recht wählerisch) hervorragend und auch Single Rider und Dreiergruppen kamen gut ins Boot. Bei den beiden Viererrutschen ist der Treppenaufgang derzeit noch funktionslos zweigeteilt, ich denke dies dient eventuell der Einrichtung einer Single Rider Line, was bei Hochbetrieb durchaus sinnvoll sein könnte. Was mir persönlich eher positiv auffiel aber dem einen oder anderen auch negativ aufstoßen könnte war der hohe Selsbtverantwortungsgrad beim Einstieg. Beim Trichter Stormvind und der danebenliegenden Tva Fall war am Start oft gar kein Operator, ebenso für Hugin und Munin (die Rennrutschen). Auch die Raketenstarts sind als Selbststarter geplant, der Operator weist im vorgesehenen Betrieb die Teilnehmer nur bezüglich der Haltung ein. Im Testbetrieb mit Fans und Anwohnern lief das alles hervorragend, allerdings war das Publikum am 22. November auch das disziplinierteste Wasserpark-Publikum was ich je gesehen habe. Dass sich dieser Standard auch im Regelbetrieb mit einem unvermeidbaren Anteil Besuchern, denen "zwei in Reihe 3 und einer in Reihe 4" bereits Probleme bereitet (ja, ich bin Blue Fire Single Rider geschädigt), kann ich nur hoffen.

Am Testtag hielten sich die Wartezeiten bei mäßigem Besuch (maximal waren 1300 Personen gleichzeitig in der Halle) in engen Grenzen, maximal waren ca. 10 Minuten an den Freifallrutschen und am Vinter Rytt zu verzeichnen. Hochgerechnet auf Vollbelegung kämen wir somit auf maximal immer noch sehr respektable 25 bis 30 Minuten.

An der Wildwasserrutsche Vildstrom war am Testtag keine Warteschlange eingerichtet, sondern die Besucher konnten frei und in Massen gleichzeitig einsteigen sowie über eine innenliegende Treppe mehrere Runden aneinander hängen, was die Anlage definitiv an ihre Kapazitätsgrenzen brachte - es kam doch öfter zu kleinen Kollisionen, die allerdings auch nicht schmerzhaft waren. Bei mehr Besuch sollte hier allerdings per Drosselung für ein rempelfreies Rutscherlebnis gesorgt werden - hier bietet sich an, was bei Wodan und Blue Fire gut funktioniert, zu übernehmen, und an besuchsschwachen Tagen den Eingang frei zu gestalten, während an normalen bis stärkeren Tagen durch Einteilung und Zuweisung gesteuert und die Kapazität maximiert wird.

Im Wellenbad gibt es offensichtlich verschiedene Stärken, hier habe ich sowohl moderaten Gang als auch einen mächtig mitreißenden Modus erlebt, allerdings habe ich nicht heraus bekommen, welcher Modus denn zu welcher Zeit aktiviert wird (eventuell waren es auch nur Tests). Ich fände es toll, wenn die verschiedenen Stärken im regelmäßigen Wechsel benutzt würden, wobei man durch das Warnsignal zum Start (ein schönes Schiffshorn) ja die Stärke bekannt geben kann (ein Ton für die sanfteren, zwei für die stürmischen Wellen). Was mich am Wellenbecken ein wenig gestört hat war die geringe Maximaltiefe - ein senkrechtes Treibenlassen ist im Gegensatz zu den meisten Wellenbädern nicht möglich und bei maximalem Wellengang bleibt auch an der tiefsten Stelle im Wellental nicht mehr sehr viel Wasser.

Mit Snorris Saga ist Rulantica ein Volltreffer gelungen, wer bei Snorri Touren trotz des hohen Niveaus noch enttäuscht war, dass kein Trackless Darkride gebaut wurde, darf einfach sich hier mal in den Reifen legen und treiben lassen; im Kanal ist das Konzept "trackless" komplett implementiert und die Gestaltung verdient den Begriff "Darkride" uneingeschränkt. Nur im letzten Viertel der Runde, die durch das Zentrum des Bades führt, fehlt leider die Gestaltung - ein umgekehrter Strömungsverlauf hätte den besseren Spannungsbogen gebildet. Da das jetzt natürlich baulich nicht mehr geht, würde ich dem EP ans Herz legen, in den Schlussbereich noch einen zusätzlichen kurzen Tunnel mit einer Extraszene einzubauen; wenn ich mir mal frech etwas wünschen darf, würde ich die Schlussszene aus dem Musical mit Finn und Kilani, inklusive einem kurzen Songauszug, hier gerne wiedersehen!

Die Gastronomie von Rulantica ist recht eingeschränkt, es gibt Burger (wie in der deutschen Allee - sehr lecker), Pizza und Pasta; ein etwas größeres Tellergericht wie ein Schnitzel oder der Poseidon-Teller wäre hier noch eine Bereicherung. Die Getränke"flatrate" (die den Namen dank Deckelung auf 5 Liter nicht ganz verdient) ist gerade für Familien eine sehr gute Alternative zum Standardtarif, da mit Coke Freestyle eine super Auswahl zur Verfügung steht und der Preis gerade auch in Anbetracht des sehr schönen und hochwertigen Souvenirbechers wohltuend günstig war - wenn ich den Becher mit 4 Euro ansetze, bleiben noch € 1,35 pro halber Liter Softdrink.

Über die Atmosphäre kann ich kein endgültiges Urteil abgeben - während der Tagstunden ergab sich dank der noch umfassenden Detailarbeiten eine surreale Überlagerung aus Baustelle und aktivem Wasserpark, als ob Rulantica in zwei Zeiten gleichzeitig existieren würde, obwohl die Arbeiter extrem rücksichtsvoll waren und man sich nicht ins Gehege kam. Trotzdem war der Kontrast zwischen teils schwerem Gerät (Arbeitsbühnen) und merklichen Lösungsmittelgerüchen einerseits und den in ihrer Badekleidung schutzlosen Gästen einzigartig unwirklich. Zu Geräuschbelästigung kam es übrigens kaum. Gegen Abend kam dann, gerade auch dank der Dunkelheit und der absolut eindrucksvollen Beleuchtung eher schon ein Gesamteindruck auf, der aber immer noch einen Hauch "unfertig" hinterließ. Ich glaube allerdings, dass das Ergebnis sehr gut wird, auch wenn ich nicht das typische "Europapark-Gefühl" hatte - Rulantica wird wohl ein ganz eigenes Ambiente entwickeln.

Kann ich Rulantica empfehlen? Ja, sehr sogar, allerdings nicht ganz für alle. Der Wasserpark ist anders als der Europa-Park sehr auf aktives Erleben ausgerichtet und erfordert eine gewisse Grundfitness und Aktivität - und, wenn das Konzept der wohltuend im Hintergrund agierenden Operators aufgehen soll, ein wenig Disziplin und Wille, eigenverantwortlich mit für die Sicherheit zu sorgen. Für Besucher, die Ruhe wollen, ist das Angebot extrem begrenzt und die Nutzung der Attraktionen erfordert ausgiebiges Treppensteigen - eine Runde über die 13 für Erwachsene nutzbaren Rutschen sind bereits 160 Höhenmeter, barfuß auf Fliesenboden. An einem nicht so vollen Tag und mit ausgiebiger Nutzung kommen dann schnell wie bei mir über 800 Höhenmeter zusammen, die erst mal bewältigt sein wollen. Auch erfordern das Ein- und Aussteigen in die Reifen und die Rutschen an sich ein wenig Beweglichkeit. Und wer, wie ich es schon in anderen Parks gesehen habe, der Meinung ist, in Siebenerkette ohne Reifen in die Trichterrutsche springen zu müssen, nur weil gerade keiner hinsieht, tue bitte sich und allen anderen Rulantica-Besuchern den Gefallen, doch auch in besagten anderen Parks zu bleiben.

Wann ihr Rulantica einen Besuch abstattet ist euch überlassen - dank des Besuchermaximums und der Kapazitäten wird es keine wirklich schlechten Tage geben. Ich empfehle allerdings auf jeden Fall, der Versuchung zu widerstehen, noch mit Abendkarte "schnell nach dem Park ins Rulantica" zu gehen. Mit nur vier bis fünf Stunden kommt ihr nicht auf eure Kosten - nehmt euch einen ganzen Tag und ihr werdet es nicht bereuen. Ein zweiter Tag ist vertretbar, wenn ihr euch Zeit nehmen wollt - mehr braucht man aber nicht. Kommt lieber ein paar Monate später wieder!


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